Der Freiheit einen See in Brandenburg!

Von Tobias, 24 Jahre

Von meinem ersten Kontakt mit der Österreichischen Schule bis zu meiner Teilnahme an der Akademie der Freiheit vergingen beachtliche fünf Jahre. Einer vagen Erinnerung nach muss es das Jahr 2014 gewesen sein, in welchem ich einerseits erfolgreich mein Abitur absolvierte und andererseits über einen Gastbeitrag in der damals von mir abonnierten Jungen Freiheit  auf die eingangs erwähnte Wirtschaftsschule stieß.  Erstaunlicherweise hätte ich laut dem offiziellen Vorlesungsplan noch im Wintersemester des gleichen Jahres im Rahmen meines begonnenen Wirtschaftsstudiums Näheres über dieses spannende Theoriengebäude erfahren sollen, jedoch hielt sich der tendenziell links angehauchte Potsdamer Professor etwas zulange mit der Marxistischen Wirtschaftstheorie auf, sodass für eine Behandlung der Österreichischen Schule am Ende des Semesters leider keine  Zeit mehr übrig blieb – ob reiner Zufall oder arglistiger Plan, vorerst erlangte ich keine näheren Kenntnisse von den Österreichern. War dies also das triste Ende einer gar nicht erst angetretenen Reise?

Nein! Ausgerechnet durch ein Auslandssemester im bezaubernden Wien, der Kulturhauptstadt Europas, wenn nicht der Welt, gelangte ich 2017 dank des Scholariums dann doch in Kontakt mit den angesprochenen Österreichern und das in Anbetracht des Ortes gleich im doppelten Sinne. Diese private Bildungseinrichtung des Wirtschaftsphilosophen Rahim Taghizadegan war und ist ein regelrechter Zufluchtsort für freiheitlich denkende Menschen in Wien, deren auch per Livestream zu verfolgende Salons ich an dieser Stelle jedem wärmstens ans Herz legen kann. Nun begann ich meine von zunehmender Begeisterung geprägte Auseinandersetzung mit der Österreichischen Schule und besuchte daher unter anderem auch die Mises-Konferenz in München. Aus dem einen geplanten Auslandssemester wurden letztlich drei, denn Wien ist nicht umsonst mehrmals in Folge zur lebenswertesten Stadt des Kontinents gewählt worden, aber nach meiner schließlich Ende letzten Jahres erfolgten Rückkehr in den Berliner Speckgürtel verfiel ich zunächst in große Enttäuschung.

Auch eine wirklich ausgiebige Internetrecherche ließ mich keine mit dem Scholarium zu vergleichende Einrichtung im tiefroten Berlin finden und ich war schon kurz davor, die Hoffnung aufzugeben. Wie es der Zufall so wollte, entschloss ich mich dann jedoch im Frühjahr 2019 dazu „Demokratie – Der Gott der keiner ist“  von Hans-Hermann Hoppe zu lesen, ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum damaligen Zeitpunkt schon über ein Jahr auf meiner Liste stand. Davon inspiriert sah ich mir einen Vortrag Hoppes auf dem YouTube-Kanal des Mises Instituts an, dieser wiederum brachte mich zum Kanal der Hayek-Gesellschaft, durch jenen gelangte ich dann zum Internetauftritt besagter Vereinigung und dort erfuhr ich dann letztendlich von der frohen Botschaft: Es existiert ein Hayek-Club in Berlin! Jetzt brauchte es nur noch den Besuch zweier Vortragsveranstaltungen, eine mich etwas überrumpelnde Einladung zum Juniorenkreis Politik am Döllnsee, dann dort eine weitere großzügige Einladung der stets bewundernswert engagierten Frau Fußer und schon war ich bei der Akademie der Freiheit.

Während der Anfahrt zum verborgenen Tagungsort am Netzener See über diverse kleine Nebenstraßen gesäumt von verfallenden DDR-Garagen zweifelte ich kurz, ob ich womöglich ungewollter Weise zurück in die 80er Jahre gereist war – spätestens durch das Auftauchen eines mutmaßlichen Anwohners mit Vokuhila und Jeansjacke  am Straßenrand erschien diese Überlegung als gar nicht mehr so abwegig. Dann jedoch tauchte das direkt am See gelegene Hotel auf, mir wurde ein freundlicher Empfang durch Professor Habermann persönlich bereitet und eine spannende Woche nahm ihren Lauf. Die Teilnehmer waren im Gegensatz zu mir teils aus den entferntesten Winkeln der Bundesrepublik angereist, sogar eine junge Dame aus Tübingen fand ihren Weg zur Akademie der Freiheit. Rückblickend lässt sich gut und gerne sagen, dass man für eine Woche am Seehof Netzen auf die freiheitlichsten, intelligentesten und schönsten jungen Menschen Deutschlands traf – somit war ich also genau am richtigen Ort gelandet  ;)

Die Zeit war geprägt durch zahlreiche sehr spannende Vorträge zu ökonomischen, politischen und philosophischen Themen, denen jeweils noch spannendere Diskussionen auf erstaunlich hohem Niveau folgten, insbesondere in Anbetracht der vielen jungen Teilnehmer, die aber oft überraschend tiefgehendes Wissen unter Beweis stellen konnten. Viele berichteten von ihrem wirklich beachtlichen Engagement für die liberale Sache und so gab mir diese einwöchige Akademie neue Hoffnung, was die Zukunft unseres Landes angeht. Scheinbar gibt es sie noch, die jungen Deutschen, die sich nicht etwa für Veganismus, Umverteilung und Enteignungen, sondern für Freiheit und Selbstverantwortung einsetzen. Neben den häufig sehr erheiternden Tischreden während der reichhaltigen Buffets waren der Ausflug in den Bundestag mit einer vom Abgeordneten Klaus-Peter Willsch geleiteten Führung und der anschließende Abstecher in den Hayek-Club Berlin mit Ausklang in der Schnitzelei nochmal besondere Höhepunkte. Insofern kann ich die Teilnahme an der Akademie der Freiheit uneingeschränkt empfehlen, nein vielmehr möchte ich einen klaren Apell formulieren: Bewerbt euch für die Akademie der Freiheit, denn hier könnt ihr in nur einer Woche mehr lernen als in einem ganzen Semester an der Uni und das auch noch umgeben von äußerst netten Menschen in einem charmanten Seehotel!