Bericht über eine Akademie

von Carlotta, 19 Jahre

Die Einladung zur Akademie der Freiheit hat mir persönlich schon viel bedeutet. Jeden Tag, den ich dann dort verbrachte, hat sie mich mehr in ihren Bann gezogen und ich habe viel über Ereignisse, Umstände und vor allem die Möglichkeiten einer differenzierten und ideologiefreien Analyse derselben gelernt. Themen, die jeden von uns tagtäglich begegnen und zu denen eine Haltung erforderlich ist. Sei es über das Wesen der Demokratie, die Freiheit und ihre Bedeutung für jeden von uns, die Funktion und Wirkung des Bankwesens oder andere aktuelle Themen, die derzeit eine große Anzahl von Menschen bewegen.

Nicht nur durch die täglichen Schwimmgänge und Ruderpartien haben sich Freundschaften gebildet, es wurde diskutiert und von eigenen Erfahrungen berichtet, aber auch gesungen und außergewöhnlich viel gelacht. Die anfängliche Aufregung und die leichte Angst vor dem Unbekannten und der ungewohnten Situation, die sich bei den Meisten bemerkbar machten, wandelten sich schnell in Aufgeschlossenheit und eine große Neugier. Stunde für Stunde fühlten wir uns sicherer und öffneten uns mehr. Maßgeblich dafür war, dass durch die Dozenten und Betreuerinnen sehr schnell eine Atmosphäre geschaffen wurde, in der Meinungen und Ansichten jenseits des Mainstreams nicht nur zugelassen, sondern willkommen waren.

Diese Erfahrung, verbunden mit der beeindruckenden fachlichen und sozialen Kompetenz unserer „Betreuer“, war für die meisten von uns neu und faszinierend. Es entstand dadurch sehr schnell eine sehr offene und entspannte Gemeinschaft.

Wir alle sind gekommen um herauszufinden, was Freiheit für uns persönlich bedeutet. Sei es Handlungsfreiheit, Meinungsfreiheit oder sogar Willensfreiheit. Das oberste Gebot der Menschheit: Freiheit. Was bedeutet sie für jeden von uns, warum haben wir das Gefühl, dass sie mehr und mehr in Gefahr ist, was kann jeder von uns dagegen tun? Freiheit, die einen gegeben wird, Freiheit als Einsicht in Notwendigkeiten, sind keine Freiheiten.

Ich hatte in den letzten Monaten vor der Akademie zunehmend das Gefühl einer diffusen Verunsicherung und eines nicht immer zu benennenden Unbehagens. Ich fühlte mich überwiegend und auf jeden Fall mehrheitlich bestimmend von Meinungen, Haltungen und scheinbaren Selbstverständlichkeiten umgeben, die zwar nicht die meinen waren, zu denen ich aber auch keine Alternativen formulieren konnte. Durch die Zeit bei der Akademie habe ich wieder Zuversicht und Hoffnung auf eine freiheitliche Gesellschaft gewonnen. Die ersten Schritte dazu sind, sich bewusst zu werden über die aktuellen Missstände und der grundsätzlich möglichen Veränderungen. Unendlich hilfreich dabei ist die Begegnung mit ähnlich denkenden und fühlenden Menschen.

Ich bin mit gestärktem Willen und dem Drang des Handelns nach Hause gefahren. Und dafür bin ich dankbar.

Und wie Karl Popper einmal sagte: „Wir müssen für die Freiheit planen und nicht für die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann.“