Auf der Suche nach Freiheit

von Karen, 19 Jahre

Freiheit- das Wort prangt bunt und unterstrichen auf einem zerfledderten Plakat in der Berliner Innenstadt.

Freiheit- das Wort bleibt in meinem Gedächtnis hängen - doch warum? 

Gefühlt hat jeder Mensch in meinem Umfeld eine andere Definition von dem, was wir Freiheit nennen. „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“, meinte Rosa Luxemburg im Zuge der Russischen Revolution. Word erklärt mir, dass Freiheit ein Synonym für Anarchie sei und von Mitschülern hörte ich, dass Freiheit bedeutet, dass man tun und lassen kann, was man will. Ich fühle mich wie ein Pirat, der mit 100 erbeuteten Schlüsseln die eine Schatzkiste zu öffnen versucht, die die finale Schatzkarte beinhaltet. In anderen Worten: es gibt so viele Definitionen des Begriffs Freiheit, dass ich gar nicht weiß, wonach ich eigentlich suche.

Für mich steht nur fest, dass der Begriff Freiheit zunehmend zu einem politischen Kampfbegriff umfunktioniert wird, der alles und nichts rechtfertigen soll. Meinungsfreiheit ist in meinem Umfeld nur noch eine Attrappe, die benutzt wird, um Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Es fällt mir schwer, die Gefühle und Gedanken, die mich beim Lesen des Internetblogs über die Akademie der Freiheit bewegten, in Worte zu fassen. Sollte es wirklich noch Orte geben, an denen Debatten mit den Waffen des Geistes anstatt mit Diffamierungen geführt werden?

In der Woche der Akademie traf ich auf unglaublich vielseitig interessierte Menschen, die über einen umfangreichen Wissensschatz verfügen. Selten in meinem Leben habe ich eine solch ehrliche und freie Debattenkultur erlebt. Keiner der Teilnehmer maßte sich an, über das absolute Wissen zu verfügen. Niemand wurde wegen seiner Meinung bloßgestellt. Neben den inspirierenden Diskussionen durfte ich Vorträgen aus den Themenbereichen Politik, Wirtschaft und Philosophie lauschen, die mich zum Nachdenken anregten oder die meine Positionshülsen mit Argumenten füllten.

Ich erinnere mich an die ersten Worte des Einführungsvortrags von Prof. Habermann, der sich dafür aussprach, ein Grundwissen in vielen Gebieten zu haben. Als Grundschullehramtsstudentin fühlte ich mich besonders angesprochen, da ich ohne die Akademie vermutlich nie mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in Berührung gekommen wäre.

Während ich am vorletzten Abend der Akademie auf einem Ruderboot über den Netzener See schaukelte, kam mir ein Bildnis in den Sinn: Vielleicht kann man sich Freiheit mit dem Antagonisten Zwang wie zwei Tauzieher vorstellen, die einen unendlichen Wettkampf austragen. Es wird in einer funktionierenden Gesellschaft immer beide Rivalen geben, doch müssen wir alle unsere Kräfte vereinen und am selben Strang an der Seite der Freiheit ziehen. Denn erlangt der Zwang zu viel Kraft, wird der Radius unserer Freiheit unaufhaltsam gegen Null streben. Ich blickte zurück ans Ufer, glücklich zu wissen, dass ich nicht allein am Tauziehseil in Richtung Freiheit ziehe und ziehen werde. Denn die Akademie der Freiheit war erst der Beginn von Freundschaften und gemeinsamen Engagements für die Freiheit.