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Crashkurs Liberalismus: Die Akademie der Freiheit

von Max, 15 Jahre

Fünf Redakteure von Apollo reisten vergangene Woche in ein schönes Hotel in Brandenburg.

Ein wundervoller See, in dem wir wegen den hohen Temperaturen sehr oft schwimmen waren, gutes Essen (für Hotels sehr ungewöhnlich) und ein herzlicher Gastgeber sorgten für eine angenehme Atmosphäre.

Aber wir waren nicht da, um in netter Umgebung zu faulenzen: wir reisten zur Akademie der Freiheit, einer Veranstaltung der F.A. von Hayek Gesellschaft, bei der 20 jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren über eine Woche lang liberale Ideen näher gebracht wurden. Wir diskutierten über Denker wie Platon oder Popper, Martin Luther oder Carl Menger.

Prof. Dr. Habermann, Vorstandsvorsitzender der Hayek-Stiftung, klärte uns über die große freiheitliche Tradition der Deutschen auf – inspiriert von diesem Vortrag entstand bereits ein Artikel auf Apollo

Herr Prof. Dr. Hagedorn konnte in seinem Referat über die Wiener Schule der Nationalökonomie (C. Menger, L. Mises, F.H. Hayek) selbst das trockene Blatt der Volkswirtschaftslehre lebendig herüberbringen. Kompliziert klingende Ideen wie „Theorie des abnehmenden Grenznutzens“ sind in Wahrheit hoch interessante Feststellungen über die grundlegendsten Zusammenhänge menschlichen Lebens, mit deren Verständnis man viel einfacher die wirtschaftlichen Gegebenheiten eines Landes verstehen kann.

Neben den inhaltlichen Debatten und Vorträgen wurden auch Fähigkeiten der politischen Auseinandersetzung geschult: Wie diskutiere ich richtig? Wie überzeuge ich jemanden von meinen Ideen? Wie verfasse ich einen Text?
Grundlegende Fähigkeiten, die für eine gute politische Arbeit notwendig sind. Es ist immerhin von einiger Relevanz, das spärliche Humankapital des liberalen Lagers effektiv einzusetzen. Nur so kann eine Aufklärung im Sinne der Freiheit gelingen.

Wer die Hintergründe verstehen will, sollte sich aber auch einmal die Praxis ansehen. Genau das taten wir: In einem gemieteten Bus fuhren wir eines Morgens zu einer Besichtigung des Reichstags nach Berlin. Im Rahmen dessen konnten wir ein interessantes Gespräch mit Dr. Philipp Lengsfeld (ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU und Sohn der DDR- Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld) über politische Abläufe führen und ehrliche Einblicke in das Leben eines Politikers bekommen. Eine Mahlzeit in der Bundestagskantine war auch vorgesehen: Nicht besonders lecker – ein Grund mehr, unseren Einfluss auf die deutsche Politik zu erweitern.

Anschließend liefen wir zur Redaktion des Focus-Magazins, wurden durch die Räume geführt und konnten einen – für mich hochinteressanten – Einblick in redaktionelle Abläufe und journalistisches Arbeiten bekommen. Journalismus ist wirklich ein sehr hartes Geschäft, und die Herausgabe eines wöchentlichen Blattes stellt einen vor schier unlösbare Probleme rein logistischer und zeitlicher Natur. Unter welchem Zeitdruck man bei einer Tageszeitung steht, möchte ich mir gar nicht vorstellen.
Vom Dach des Hochhauses schauten wir über die „Skyline“ von Berlin und hatten eine wunderbare Aussicht. Apollo überlegt, die Räumlichkeiten eventuell demnächst zu übernehmen. Aber ich schweife ab: „Fakten, Fakten, Fakten – und immer an den Leser denken!“

Das was diese Woche aber eigentlich so schön gemacht hat, war das extrem gute zwischenmenschliche Verhältnis: Wenige Streits, viele gute Gespräche und Diskussionen. Wir haben zusammen gesungen, im See gebadet und auf dem See gerudert. Andere liberale junge Menschen kennenlernen – für einen Jugendlichen aus Berlin-Kreuzberg ein seltenes und schönes Erlebnis. Die Akademie bringt nicht nur liberale Werte nahe, sie ist auch in sich sehr freiheitlich. Freie Debattenkultur, kein Ausschluss von unliebsamen Meinungen. Die Wertschätzung der eigenen Meinung durch die anderen war ein Antrieb, sich immer stärker einzubringen.
Viele Teilnehmer – darunter ich – hielten kurze, dafür spannende, informative und/oder bewegende Tischreden.

Um auf den Titel zurückzukommen: Die Akademie der Freiheit hat ihr Ziel mehr als erreicht. Wir wurden wohl alle in unserem freiheitlichen Gedankengut bestärkt und für Diskussionen und politischen Alltag bestens gerüstet und motiviert.

Netzwerktechnisch war es eine sehr sinnvolle Sache: Auch Individualisten können gemeinsam mehr erreichen als alleine. Im Bereich der Organisation klassisch-liberaler Jugendarbeit besteht auf jeden Fall noch dringender Handlungsbedarf. Es ist schließlich unsere Zukunft, die auf dem Spiel steht und um die wir kämpfen müssen. Aber wenn man diese Truppe von engagierten jungen Menschen gesehen hat, muss man erkennen, dass die letzte Schlacht noch nicht geschlagen wurde. Es gibt noch Hoffnung!

Über die 6 Tage konnte man merken, wie sehr sich die Organisatoren, allen voran Frau Fußer, ins Zeug gelegt haben, um diese Woche zu einem tollen und effektiven Event zu machen – das ist Ihnen mehr als gelungen. Ich möchte allen danken, die diese wunderbare Woche für uns möglich gemacht haben. Es war ein wichtiges Erlebnis, das unserer Zukunft auf jeden Fall beeinflussen wird. Ich kann die Akademie der Freiheit nur jedem freiheitlichen jungen Menschen dringend ans Herz legen. Nächstes Jahr im Sommer startet die Akademie wieder. Wer sich so eine Gelegenheit entgehen lässt ist selbst Schuld!

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Von Berlin nach Netzen 2.0

von Pauline, 23 Jahre

Ich komme aus dem Herzen Berlins - dem berühmt berüchtigten Bezirk Kreuzberg - bekannt für seine Partys, Vielfalt und Grenzenlosigkeit. Doch von Vielfalt und Grenzenlosigkeit, kann nur in einem Sinn gesprochen werden: Der Vielzahl an verschiedenen Menschen und Ethnien und ihrem distanzlosen Umgang miteinander. Von einer Vielfalt an politischen und gesellschaftlichen Einstellungen kann kaum die Rede sein. Schon in meiner frühsten Kindheit lernte ich, dass man die hinterhältigen Ausbeuter - die Kapitalisten - endlich enteignen sollte  und  das Gleichheit das höchste Gut ist. Bis vor etwas mehr als einem Jahr, teilte ich diese Ansichten widerspruchslos und war bereit sie offensiv zu vertreten, obwohl ich - natürlich ohne es mir selbst einzugestehen - keine Ahnung von der Materie hatte, von der ich sprach.

Als ich über meine Freundin Larissa die Möglichkeit bekam an der Akademie der Freiheit teilzunehmen, hatte ich bereits begonnen langsam umzudenken und die links- grüne Propaganda, die ich alltäglich erlebt und geglaubt hatte, in Frage zu stellen. Larissa hatte selbst ein Jahr zuvor an der Akademie teilgenommen und mir davon berichtet wie diese eine Woche ihr Leben veränderte - man kann sich vorstellen wie gespannt ich durch ihre Erzählungen war.

Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn die Woche, die ich im malerischen Seehof Netzen verbringen durfte, eröffnete auch mir eine neue Welt. Ich lernte Menschen kennen, die ihre oft schon sehr fundierten Meinungen klar vertraten und gleichzeitig aktiv die Diskussion suchten, anstatt sie durch bloße ideologische Meinungsäußerung abzuwehren. Seit dem besuche ich regelmäßig Veranstaltungen der Hayek- Gesellschaft und bin immer wieder begeistert von den offenen Diskussionen rund um liberale Ideen und Ideale.

In diesem Jahr erhielt ich die Gelegenheit als Betreuerin noch einmal an der Akademie der Freiheit teilzunehmen. In gespannter und freudiger Erwartung auf die diesjährigen Teilnehmer, fuhr ich das zweite Mal von Berlin nach Netzen.

Dort lernte ich zwischen Hayek, Mises und Ruderboot- Fahrten interessante und sehr engagierte junge Menschen, im Alter von 15 bis 25 Jahren, kennen. Die Eigeninitiative und der Biss dieser teilweise noch sehr jungen Teilnehmer hat mich nachhaltig beeindruckt. Obwohl ich schon das zweite Mal an der Akademie teilnahm, kann ich ehrlich sagen, dass ich mich nicht einen Moment gelangweilt habe. Die Vorträge, Planspiele und Diskussionen rund um Wirtschaft, Politik und Philosophie waren erneut sehr lehrreich und inspirierend für mich.

Jedem freiheitlich denkendem und interessierten jungem Menschen, kann ich die Akademie der Freiheit daher nur wärmstens empfehlen. Für mich hat sich die Zeit in Netzen mehr als gelohnt, ich würde jederzeit wieder mit Freude an der Akademie teilnehmen.

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Die Entdeckung der österreichischen Krisentheorie

von David, 17 Jahre

Im Januar 2018 traf ich die Entscheidung, mich bei der Akademie der Freiheit der Hayek-Gesellschaft zu bewerben. Zu der Zeit lernte ich gerade für mein Schülerstudium der Volkswirtschaftslehre und ärgerte mich über die Mathematisierung der Ökonomie. In meinem Lehrbuch hieß es, dass der zukünftige Konjunkturverlauf durch Formeln errechnet und der ‚homo oeconomicus‘ das Maß aller Dinge ist. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben. Im täglichen Leben konnte ich das irrationale Verhalten von Konsumenten beobachten und bei einem Besuch eines Rotary Clubs fiel mir auf, dass Geschäfte durch persönliche Präferenzen oder Sympathien zwischen den Geschäftspartnern zustande kommen – und nicht unbedingt durch das beste Angebot. Ich fragte mich, wie es sein kann, dass der Kern der Wirtschaft, das menschliche Handeln, so wenig von der Mainstream-Ökonomie beachtet wird. Eine Antwort auf diese Frage erhielt ich ein halbes Jahr später während eines Vortrags von Prof. Dr. Hendrik Hagedorn über die österreichische Krisentheorie. Es war einer der ersten Vorträge über Volkswirtschaftslehre bei der Akademie der Freiheit und faszinierte mich ab der ersten Minute. Nicht komplexe Formeln sondern logisches Denken stehen im Zentrum der Ökonomie von Friedrich A. von Hayek. Prof. Hagedorn identifizierte die Geldmengenausweitung der Zentralbanken und die Geldschöpfung der Geschäftsbanken als eigentliche Auslöser von Wirtschaftskrisen. Noch bevor das neu geschaffene Geld das Preisniveau beeinflusst, können Wirtschaftsteilnehmer das frische Geld nutzen um Investitionen zu tätigen. Somit verschafft die Geldmengenausweitung dem Marktteilnehmer, der das aus dem Nichts geschaffene Geld als erster erhält, einen enormen Wettbewerbsvorteil. Davon profitieren insbesondere große Unternehmen mit starken Kapitaldecken, die ausreichende Sicherheiten für kurzzeitige Kreditaufnahmen vorhalten können.  Dadurch wird die Nachfragesituation manipuliert, was zu Verschiebungen von Industrien und Produktionsfaktoren führt. Dieses Phänomen zeigte sich insbesondere in der spanischen Immobilienkrise 2010, als knapp 25% der spanischen Arbeitnehmer in der Immobilien- und Baubranche tätig waren. Die Immobilienblase wurde durch die Geldmengenausweitung westlicher Zentralbanken in den Jahren vor 2008 beflügelt und fand ein Ende in der weltweiten Subprime Krise. Durch die vorausgegangene Verschiebung von Industrien zugunsten des Immobiliensektors, erlebte Spanien eine Arbeitslosenrate von 26,2% im Jahr 2013, nach Eintreten der Korrektur.  Dies ist der eigentliche Grund für die auseinanderklaffende „Schere zwischen Arm und Reich“. Nicht der derzeitig angeblich freie Markt, sondern die sozialistischen Subventionen der Zentralbanken, zugunsten großer Marktteilnehmer, sind die Ursache für dieses zeitgenössische Phänomen. Zudem entstehen dadurch enorme Einkommensmöglichkeiten für Berufsgruppen wie Rechtsanwälte und M&A Berater,  die von den neuen, durch die Geldmengenausweitungen ermöglichten Kapitalmarkttransaktionen, profitieren. Dieser Vortrag öffnete mir die Augen und machte mir die Mechanismen aktueller Entwicklungen deutlich. Wer die Gelegenheit hatte, den Vorträgen auf der Akademie der Freiheit zu lauschen, der bekommt das Rüstzeug, die Welt zu verstehen.

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Meine ganz persönliche Freiheit

von Cassandra, 18 Jahre

„Was bedeutet Freiheit eigentlich?“ Mit dieser essenziell wichtigen Frage begann die Akademie der Freiheit und die Antworten darauf ließen sich in jedem Vortrag, von Ökonomie über Politik bis Philosophie, wie ein roter Faden durch die ganze Akademie wiederfinden.

Am Sonntag nahmen 20 junge Erwachsene den langen Weg ins malerische Netzen auf sich.

Zusammen mit Referenten, Dozenten und Personen des öffentlichen Lebens diskutierten wir täglich über den Liberalismus und dessen Formen, wie zum Beispiel den Ordoliberalismus, die Österreichische Schule, Friedrich A. von Hayek, Milton Friedman, Karl Popper und viele weitere ähnlich wichtige ökonomische, aber auch gesellschaftliche Themen, die unser tägliches Handeln beeinflussen. Neben einem Besuch des Bundestages und der FOCUS-Redaktion in Berlin verbrachten wir unsere vortragsfreie Zeit am oder wohl eher im See, der sich direkt am romantischen Tagungshotel erstreckte. Abends standen neben Paddelbootfahrten auch Diskussionen aktueller Themen, oder einfach private Gespräche in kleineren Kreisen zur Wahl. In drei Planspielen, darunter einem Ministerspiel (man nenne mich bitte Frau Verteidigungsministerin;-) ) verbesserten wir unsere Rhetorik- und Argumentationstechniken, die wir am Tag zuvor in Gruppenarbeiten erlernt hatten.

Und nach sechs Tagen ausführlichen Debatten und spannenden Vorträgen von verschiedenen Professoren und Dozenten kann ich diese Frage nun für mich beantworten:

Es ist ein Begriff mit vielen Facetten: Angefangen von Arbeitsfreiheit bis hin zu Versammlungsfreiheit.

Doch für mich bedeutet Freiheit vor allem Eines: Jeden Tag und jeden Augenblick die Dinge tun zu dürfen, für die ich eine Leidenschaft hege.

Denn Freiheit heißt nicht nur, frei handeln zu dürfen, sondern ganz elementar auch, hinzugehen, wo man nur will, seine Meinung immer äußern zu können, ohne mit Strafen bedroht zu werden, in der Demokratie freie Wahlen zu haben und als aller Wichtigstes: Sich frei zu fühlen.

Mit Sicherheit betrifft all das nicht alle Menschen auf dieser Welt. Für uns, diejenigen, die das Privileg haben, die Freiheit wirklich leben zu können, bedeutet sie vermutlich etwas anderes als für Menschen manch anderer Kulturen, Regionen, Religionen oder Ländern. Diese Menschen träumen von einer Freiheit weit ab von Krieg, nicht existierenden Menschenrechten, fehlender Meinungsfreiheit, Hass und Intoleranz.

Wenn jeder von uns für die Freiheit eintritt, die Werte des Liberalismus vertritt, sich nicht klein kriegen lässt, dann sind wir jedoch auf dem richtigen Weg in eine liberale Zukunft. Freiheit ist nichts Selbstverständliches, wir müssen kontinuierlich an ihr arbeiten.

Die Freiheit ist für jeden einzelnen wohl etwas ganz persönliches und auch ich könnte, wie wohl jeder, der die Akademie der Freiheit besucht hat, gleich ein ganzes Buch darüber verfassen. Doch im Endeffekt läuft es auf diese ganz einfache Schlussfolgerung hinaus: Ich habe die freie Entscheidung getroffen mich für die Akademie zu bewerben, und ich bereue keine einzige Minute der sechs  Tage. Ich habe unglaublich viel neu dazugelernt, neue Freunde gefunden, mit denen ich noch lange Kontakt halten werde und mit denen ich zusammen für eine liberalere Welt einstehen werde. Danke an Alle!

„Freiheit bedeutet “sein wie ich bin”.
Freiheit heißt für mich: Fehler machen wie’n Kind
Und wenn’s sein muss, fall ich halt hin,
Doch ich steh wieder auf.”

– Curse, “Freiheit”

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Ein See in Brandenburg

von Johannes, 25 Jahre


Die Sonne versinkt majestätisch im Westen und färbt die tausend Seen und Flussarme der Havel in ein feuriges Orange. Irgendwo da draußen steigen junge Leute in die Boote, stoßen sich vom Ufer ab oder springen in waghalsigen Sätzen ins Wasser. Sie ziehen ihre Bahnen in das Zentrum des Sees, Bierflaschen werden verteilt, eine Gitarre erklingt. Während in der brandenburgischen Provinz die Gardinen zugezogen werden, erwacht der Netzener See zum Leben. Es sind außergewöhnliche Leute, die bei Kloster Lehnin an der Akademie der Freiheit teilnehmen. Sie kommen aus allen Teilen der Republik, sind Schüler, Studenten, Soldaten, Unternehmensberater und Publizisten. Sie alle sind gekommen, weil die individuellen Umstände sie zu der Frage getrieben hat, was Freiheit im eigentlichen Sinne bedeutet. Freiheit. Dieses Wort ist für sie kein Werbeslogan, sondern die oberste Maxime ihres Handelns. Ihre Vorbilder heißen nicht Lenin, sondern Lafayette, nicht Hegel, sondern Hayek. In den Schulen und Hörsälen haben sie keine Antworten auf die grundsätzlichen Fragen des Lebens bekommen.  Dagegen rebellieren sie, aber nicht, indem sie Pflastersteine aus Gehwegen brechen oder Parolen brüllen - sie greifen tief in die Buchregale, lesen, wägen ab, diskutieren, streiten, tauschen sich aus. Tagsüber lauschen sie Vorträgen über Wirtschaft, Geschichte und Philosophie und üben die freie Rede. Denn die stickigen Klassenzimmer und überfüllten Hörsäle haben sie nicht einfach aus Frust hinter sich gelassen, sondern aus Neugierde. Die wird hier, am Netzener See, bedient und vertieft. So vergehen die Tage in Brandenburg wie im Flug. Im Osten hat sich der Mond hinter einem Schleier aus dünnen Wolken erhoben. Die jungen Leute machen sich auf den Rückweg, erklimmen den Steg und vertäuen die Boote. Eine Woche ist vergangen. Noch ein letzer Blick auf den nächtlichen See, der im Mondlicht glitzert. Ein letztes Schulterklopfen, eine letzte Nacht im Hotel. Dann beginnt er wieder, der Alltag. Aber jeder von ihnen spürt die Veränderung. Ihre Wege mögen sich am nächsten Tag trennen, aber die Akademie der Freiheit hat aus 20 jungen Menschen Freunde gemacht. Und man sieht sich immer zweimal im Leben

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Politik, Wirtschaft und Philosophie

von Ellen, 22 Jahre

Politik, Wirtschaft und Philosophie. Themen, die uns alltäglich beschäftigen, mit denen sich die meisten Menschen jedoch nicht näher befassen.

Als politisch interessierte Studentin kam ich zur Akademie, mit der Auffassung, vieles über die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft zu wissen. Doch schnell wurde mir bewusst, dass mein Wissen lediglich die Oberfläche ankratzte, deren Tiefe es zu erforschen galt. Ich habe viele Vorlesungen in der Akademie gehört. Vorlesungen über Wohlstand, Recht und Geschichte. Ich habe gelernt, richtig zu argumentieren, denn das Ziel einer Argumentation ist nicht die Zerschlagung der Meinung des anderen, sondern die Bereicherung beider Teilnehmer mit neuen Informationen. Ich habe mir nun auch Gedanken darüber gemacht, dass die Einführung des Mindestlohns nicht nur Vorteile aufweist, sondern auch Nachteile mit sich zieht.

In der Woche, die ich an einem Brandenburger See verbrachte, standen Vorlesungen, Planspiele und Argumentationstrainings an der Tagesordnung. Mittags konnte man rudern oder im See schwimmen gehen, welcher gleich vor dem Hotel gelegen war. Ein zunächst straffer Wochenplan hat sich als gut organisierte Mischung aus verschiedenen Aktivitäten entpuppt. Auch ein Ausflug nach Berlin, in welchem wir eine Führung durch den Bundestag hatten, die Focus-Redaktion besuchten und im Hayek-Club waren, kamen dabei nicht zu kurz.

Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, an der Akademie teilgenommen zu haben. Ich habe viel Neues gelernt und eine interessante Zeit verbracht. Für jeden jungen Menschen, ob Schüler oder Student, kann ich die Akademie der Freiheit weiterempfehlen. Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung und eine tolle Erfahrung.

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Sommer. Politik. Freiheit.

von Niklas, 22 Jahre

20 junge Menschen sind auf dem Weg in die brandenburgische Peripherie, um sich eine ganze Woche mit Themen wie Ökonomie, Philosophie, Politik und Recht zu beschäftigen. Anstatt eine Woche am Strand zu verbringen oder in den Bergen Urlaub zu machen, treffen wir uns, um eine Woche lang genau über diese Themen zu philosophieren, zu diskutieren und den eigenen Wissenshorizont zu erweitern. „Verrückte Menschen!“, würden vermutlich viele Personen (mit Recht) sagen. Faszinierender Weise sind allerdings alle Teilnehmer bei der Anreise aufgeregt und voller Vorfreude, dass sie die Möglichkeit bekommen, genau das zu machen, wovor viele wahrscheinlich sofort die Flucht ergreifen würden. Direkt herrscht eine sehr angenehme und lockere Atmosphäre. Alle verstehen sich auf Anhieb gut, die ersten Fachgespräche entstehen und nach gefühlt fünf Minuten Anwesenheit vor Ort springt der erste in den anliegenden See. Eine spürbar gute Gruppendynamik lässt sich feststellen. Spätestens nach der ersten Vorstellungsrunde ist mir zumindest endgültig klar: Mit den Leuten kann man definitiv eine gute Woche in Netzen verbringen. Ganz unterschiedliche Personen mit verschiedenen Biographien, persönlichen Hintergründen und Motivationen teilt die Begeisterung für eine freiheitliche Grundordnung in politischer, ökonomischer und philosophier Hinsicht. Faszinierend! Selten hat man im Leben die Gelegenheit, mit im weitesten Sinne unter „Gleichgesinnten“ zu sein und mit ihnen zu diskutieren. Denn Diskussionsbedarf gibt es trotz oder gerade wegen der gleichen ideologischen Basis genug. Sei es über die offene Gesellschaft und die Theorie Karl Poppers oder die Frage, ob der Mensch willensfrei sei oder eben nicht. In meinen Augen ist die spannendste Diskussion jedoch jene über die Bedeutung der Freiheit, die Frage, ob und inwiefern die Menschen frei sind und ob unsere Freiheit gefährdet ist. Herr Prof. Dr. Habermann, der Begründer der Hayek Gesellschaft, hat in diesem Zusammenhang dazu spannende Einblicke in die Thematik und die Arbeit der Hayek Gesellschaft gegeben, die zu langer Diskussion angeregt hat. Neben dem thematischen Input gibt es außerdem genug Gelegenheit, das Freizeitangebot wahrzunehmen. Jeden Tag sind das Testen der Wassertemperatur im See sowie das Ausprobieren der Konsistenz kühler Getränke obligatorisch. Darüber hinaus stand ein Besuch im Bundestag an. Gemeinsam mit dem ehemaligen Berliner CDU Abgeordneten Philipp Lengsfeld erkunden wir das politische Zentrum der Republik und erhalten interessante Einblicke in das politische Geschäft in Deutschland. Auch die andere Seite des politischen Business wird erkundet. Bei einem Besuch der FOCUS Redaktion gibt es nicht nur einen atemberaubenden Ausblick über die Bundeshauptstadt zu bestaunen, sondern auch viele interessante Infos über die Arbeit eines Journalisten und die Konzeption eines Magazins.

Resümierend kann ich zusammenfassen, dass die Akademie der Freiheit eine gute Chance dafür ist, sehr interessanten Persönlichkeiten, die alle ein mehr oder weniger gleiches Grundverständnis einer freiheitlichen Grundordnung vertreten, kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und mit ihnen zu diskutieren. Die intensive Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Autoren bewirkt, dass man ein seinen Wissenshorizont sehr gut erweitern und ein Verständnis für viele liberale Positionen entwickeln kann. Jedem liberal Gesinnten kann ich eine Teilnahme nur wärmstens ans Herz legen!

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Eine Chance für den Liberalismus

von Marvin, 18 Jahre

In meiner Bewerbung für die Akademie der Freiheit 2018 musste ich einen Text mit meinen Erwartungen an die Akademie schreiben.

In diesem habe ich mein Ziel dargelegt, liberale Ideen wieder zu popularisieren. Die Akademie der Freiheit sollte mir helfen, freiheitliches Gedankengut der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Und tatsächlich konnten die zahlreichen Seminare und Vorträge meine Diskursfähigkeiten stark verbessern. Meine Erwartungen hatdie Akademie der Freiheit definitv erfüllt. Ich fahre nach Hause mit meinem Kopf voller Ideen und Methoden, mit denen ich meine Mitmenschen bombardieren kann.

Einrichtungen wie die Akademie der Freiheit helfen beim Wiedererstarken des Liberalismus.

Denn es gibt durchaus liberale Tendenzen in der Bevölkerung. Es kommt so oft vor, dass ich mit vermeintlich unpolitischen Freunden unterhalte und bei ihnen plötzlich erstaunlich freiheitliche Einstellungen zu Tage treten.

Doch viel zu oft haben Freiheitsfreunde Angst, mit ihrer Meinung anzuecken. Gerade im aktuellen politischen Klima ist diese Befürchtung auch mehr als verständlich: Extreme Rechte und Linke treiben eine Polarisierung der Gesellschaft voran und lassen wenige Platz für die Freiheit. Vertritt man liberale Ansichten, läuft man Gefahr am selben Tag "Faschist" und "degenerierter Chaot" genannt zu werden.

Die Akademie der Freiheit lässt politisch Unsichere ihre liberalen Standpunkte in sich erkennen. Überzeugte Freiheitliche können wiederum lernen, wie sie ihre Ansichten vermitteln können. Jugendliche sind unsere Zukunft; Sie sind die Aktivisten, Politiker und Journalisten vor morgen. Veranstaltungen wie die Akademie der Freiheit pflanzen den Samen der Freiheit in den Köpfen dieser Heranwachsenden.

Blüht dieser Samen erst einmal auf, so bleibt der Drang nach Freiheit meist ein Leben lang erhalten. Doch durch die aktuelle politische Lage ist der Liberalismus gefährdet. Freiheitliche Aufklärung ist daher notwendig, damit liberale Ideen in Zukunft erhalten bleiben. Die Akademie der Freiheit ist eine riesige Chance für den Liberalismus. Eine Chance, die wir nutzen müssen.

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Ein intellektueller Streifzug durch eine Blumenwiese

von Marcel, 22 Jahre

Die Akademie der Freiheit war für mich wie eine Art intellektueller Streifzug durch eine Blumenwiese. Dabei sehe ich jeden Vortrag, jede Diskussion, die wir führen durften, aber auch jede Debatte bei der man einfach nur passiv dabei war, als eine Blume für sich. So dass ich nach dieser Woche in Netzen mit einem bunten Strauß aus Ideen, Input und Impulsen nachhause gehe. Nur wie das bei Blumen leider so ist, verwelken sie nach einer Weile, so schön sie auch sein mögen... umso wichtiger ist es, und das habe ich während meiner Zeit hier nochmals in mein Bewusstsein rufen können, Ideen, Ansichten und gewisse Werte die Zustimmung in einem wecken, immer wieder zu pflegen und vor dem Verwelken zu schützen. Schutz bedeutet in diesem Sinne aber nicht in Protektionismus zu verfallen, sondern ganz im Gegenteil. Um den Duft liberaler Blüten, insbesondere in sehr heißen und trockenen Zeiten, erhalten zu können und die Blume des Liberalismus nicht verwelken zu lassen ist es wichtig diesen Strauß möglichst vielen Menschen zu zeigen. Damit sich auch andere noch an die Schönheit der Blumen erinnern können und wiederum anderen davon erzählen können.

Auf der Suche nach Freiheit

von Karen, 19 Jahre

Freiheit- das Wort prangt bunt und unterstrichen auf einem zerfledderten Plakat in der Berliner Innenstadt.

Freiheit- das Wort bleibt in meinem Gedächtnis hängen - doch warum? 

Gefühlt hat jeder Mensch in meinem Umfeld eine andere Definition von dem, was wir Freiheit nennen. „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“, meinte Rosa Luxemburg im Zuge der Russischen Revolution. Word erklärt mir, dass Freiheit ein Synonym für Anarchie sei und von Mitschülern hörte ich, dass Freiheit bedeutet, dass man tun und lassen kann, was man will. Ich fühle mich wie ein Pirat, der mit 100 erbeuteten Schlüsseln die eine Schatzkiste zu öffnen versucht, die die finale Schatzkarte beinhaltet. In anderen Worten: es gibt so viele Definitionen des Begriffs Freiheit, dass ich gar nicht weiß, wonach ich eigentlich suche.

Für mich steht nur fest, dass der Begriff Freiheit zunehmend zu einem politischen Kampfbegriff umfunktioniert wird, der alles und nichts rechtfertigen soll. Meinungsfreiheit ist in meinem Umfeld nur noch eine Attrappe, die benutzt wird, um Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Es fällt mir schwer, die Gefühle und Gedanken, die mich beim Lesen des Internetblogs über die Akademie der Freiheit bewegten, in Worte zu fassen. Sollte es wirklich noch Orte geben, an denen Debatten mit den Waffen des Geistes anstatt mit Diffamierungen geführt werden?

In der Woche der Akademie traf ich auf unglaublich vielseitig interessierte Menschen, die über einen umfangreichen Wissensschatz verfügen. Selten in meinem Leben habe ich eine solch ehrliche und freie Debattenkultur erlebt. Keiner der Teilnehmer maßte sich an, über das absolute Wissen zu verfügen. Niemand wurde wegen seiner Meinung bloßgestellt. Neben den inspirierenden Diskussionen durfte ich Vorträgen aus den Themenbereichen Politik, Wirtschaft und Philosophie lauschen, die mich zum Nachdenken anregten oder die meine Positionshülsen mit Argumenten füllten.

Ich erinnere mich an die ersten Worte des Einführungsvortrags von Prof. Habermann, der sich dafür aussprach, ein Grundwissen in vielen Gebieten zu haben. Als Grundschullehramtsstudentin fühlte ich mich besonders angesprochen, da ich ohne die Akademie vermutlich nie mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in Berührung gekommen wäre.

Während ich am vorletzten Abend der Akademie auf einem Ruderboot über den Netzener See schaukelte, kam mir ein Bildnis in den Sinn: Vielleicht kann man sich Freiheit mit dem Antagonisten Zwang wie zwei Tauzieher vorstellen, die einen unendlichen Wettkampf austragen. Es wird in einer funktionierenden Gesellschaft immer beide Rivalen geben, doch müssen wir alle unsere Kräfte vereinen und am selben Strang an der Seite der Freiheit ziehen. Denn erlangt der Zwang zu viel Kraft, wird der Radius unserer Freiheit unaufhaltsam gegen Null streben. Ich blickte zurück ans Ufer, glücklich zu wissen, dass ich nicht allein am Tauziehseil in Richtung Freiheit ziehe und ziehen werde. Denn die Akademie der Freiheit war erst der Beginn von Freundschaften und gemeinsamen Engagements für die Freiheit.

 

Die Akademie der Freiheit 2018 war sehr erlebnisreich

von Max Z., 16 Jahre


Mit Vorträgen und Diskussionen zu den verschiedensten Themen, von liberalen Ökonomen über die Geschichte der marktwirtschaftlichen Denkweise bis zu philosophischen Ansätzen. 
Am Netzener See gelegen und mit toller Verpflegung gab es ein gutes Umfeld für Debatten, vielfältige Freizeit und ein nettes Beisammensein. 
Die Gruppenkonstellation lud zu interessanten Gesprächen und bot lustige Momente. 
Besonders einprägsam war für mich die Möglichkeit, mit gleichgesinnten jungen Leuten über alles mögliche zu debattieren. 
Auch haben mich der Vortrag zu den ökonomischen Ansätzen der österreichischen Schule und Gerd Habermann Vortrag zur Geschichte der Freiheit in Deutschland interessiert. 
Zusammenfassend ist die Akademie der Freiheit eine tolle Idee für alle jungen Menschen, die sich für Freiheit interessieren.